In den 70er Jahren war es nicht besonders angesagt in Kreuzberg zu leben. Berliner Senat und Hauseigentümer waren zufrieden, daß MigranntInnen aus der Türkei, Sozialhilfebezieher und Punks in den heruntergekommenen Häusern wohnten. Der Wohnraum sollte vernichtet werden um einer neuen Stadtplanung Platz zu machen:

Anfang der 80er Jahre wurden viele Häuser in Kreuzberg und Schöneberg besetzt. Für viele war das die einzige Möglichkeit überhaupt ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Zeitweise waren 140 Häuser besetzt. Der Staat legalisierte einige Häuser, die sich auf Verhandlungen einließen, die meisten wurden mit Gewalt geräumt:

Bis Anfang der 90er Jahre hatten sich in vielen Stadtteilen Strukturen gebildet, die sich gegen die Zunahme der rechten Gewalt nach dem Mauerfall zur Wehr setzten und auch wichtige soziale Kontakte für Jugendliche darstellten, die von der Gesellschaft benachteiligt wurden:

Seitdem ist die Bevölkerung von Kreuzberg 36 schon zu großen Teilen ausgewechselt worden. Steigende Mieten haben viele Familien verdrängt. Neukölln galt bis vor wenigen Jahren noch immer als ein Bezirk, in dem finaziell besser gestellte Menschen nicht leben möchten; dadurch blieben die Mieten bezahlbar.
Die Profiteure der Gentrifizierung sind jedoch auf immer neuen Raum für ihre Eigentumswohnungen und Cocktailbars angewiesen. Sie bereiten den Austausch der Bevölkerung mit medialer Hetze vor, wie in dieser Reportage:

Doch auch der Besitz von Mietverträgen schützt MieterInnen nicht davor aus ihren Wohnungen geschmissen zu werden, wenn Investoren und Politiker einen Stadtteil verändern wollen. Das zeigte sich Anfang 2011 bei der Liebig 14 in Friedrichshain:

Auch sämtliche Versuche leerstehenden Wohnraum wieder an Menschen zu übergeben, die eine Wohnung suchen, wird von der Polizei mit Gewalt verhindert, in Kreuzberg, Schlesische Straße 25:

oder in Neukölln, Weisestraße:

Selbst die friedlichste MieterInnen Demo wird von der Polizei angegriffen. Neulich am Kotti:

Der Ausschnitt ist einem Mitschnitt der „Berliner Immobilienrunde im August 2011 / Hotel Maritim Berlin“ entnommen. Die vollständige Präsentation zur Gentrification in Berlin kann bei Vimeo unter dem Titel „double income one kid“ (http://vimeo.com/31038958) angesehen werden:

Immer wieder greifen Menschen auch zu Aktionsformen, die den gesetzlichen Rahmen verlassen. Ob das legitim ist und ob das sinnvoll ist wird kontrovers diskutiert, wie dieser Vorfall im Juni 2012 im Schillerkiez zeigt: