Archiv für Oktober 2012

Nachtrag zur Demo „Neukölln verteidigen“

Folender Redebeitrag wurde auf der Demo am 4. August vorgetragen, als diese in den Schillerkiez einbog:

„Hier, gleich um den Block in der Allerstraße Ecke Lichtenrader Straße ist das Haus mit der Nummer 18. Vor einem Jahr lebten hier die Bewohner_innen noch ganz normal wie das in einem Mietshaus nunmal so ist. Dann aber kam die Firma Ziegert und kündigte an, die Wohnungen in Eigentumswohungen umzuwandeln. Schnell wurde klar, dass die Firma Ziegert von vielen Hauseigentümern dafür eingesetzt wird, die alten Mieter aus ihrer Wohnung zu schmeissen um diese dann mit riesigen Gewinnen an Reiche zu verkaufen.

Ziegert ist mittlerweile überall in der Stadt mit ihren Werbeplakaten zu sehen. Sie ist für die Kapitalisten, die alles, was noch nicht genug Gewinn abwirft mit ihrem Wahnsinn verseuchen, längst zu einem Symbol für maximale Renditen in Berlin geworden. Für uns ist daher das allgegenwärtige große Z zu einem Symbol der Unmenschlichkeit geworden. Es symbolisiert die Falschheit der Politik, die vorgibt die Interessen der Menschen zu vertreten, in Wirklichkeit aber immer nur im Interesse des Kapitlismus handelt. Es symbolisiert die Unfähigkeit zur Solidarität der meisten Menschen, die hier herziehen oder hier leben, die genau wissen, dass sie diese Wohnung nur kaufen können, weil die, die vorher hier gewohnt haben gewaltsam entfernt wurden und dennoch nur ein Achselzucken für deren Unglück übrig haben. Hauptsache, die Altersvorsorge stimmt. Das große schwarze Z symbolisiert aber auch die grenzenlose Solidarität der vernünftigen Menschen hier, die dabei sind, der Firma Ziegert die Hölle heiß zu machen. Mit kreativem Widerstand – auf legalem und auf militantem Weg – haben sie es geschafft, die Methoden an die Öffentlichkeit zu zerren und in den Stadtweiten Kontext der Vertreibung und Mieterhöhung zu stellen. Zahlreiche Mieter_innen haben erst nach der heimlichen Freude über den Glasbruch in einem Luxushaus von Ziegert den Entschluss gefasst, sich gegen ihre Entrechtung zur Wehr zu setzten. Sei es auf dem Rechtsweg oder mit nächtlichen Aktionen gegen Werbetafeln und sonstige Symbole der Gentrifizierung.
Es ist weniger wichtig, wie der Widerstand aussieht – viel wichtiger ist, dass sich möglichst viele Menschen dazu entschließen, nicht tatenlos zuzusehen, wie unsere Stadt Stück für Stück irgendwelchen Investoren, Reichen oder Bullen in die Hände fällt.
Ob friedlich oder militant – wichtig ist der Wiederstand! In diesem Sinne: Zeit sich kennen zu lernen.

Und nicht nur wir müssen uns kennenlernen, sondern auch unsere Feinde sollen uns kennenlernen. Hier auf der Schillerpromenade gibt es jeder Zeit genügend Möglichkeiten dem Quartiersmanagement mal ordentlich die Meinung zu geigen. Rechts neben dem Eingang zur Schillerpromenade 10 findet ihr das Büro von denen. Der „Sauberkeit und Sicherheit“ haben sie sich verpflichtet. Was das für sie bedeutet haben sie mit der Taskforce Okerstraße deutlich gezeigt: die Sinti und Roma-Familien aus der Okerstraße wurden unter Aufsicht von Bürgermeister Buschkovski bespitzelt und aus ihren Wohnungen geschmissen. Sinti und Roma passen der polizeilichen und kapitalistischen Strategie für den Schillerkiez offenbar nicht ins Konzept. Smash Taskforce Okerstraße! Smash Quartiersmanagement. Ferienwohnungen zu Flüchtlingsunterkünften!“

Zwangsräumung verhindert

In der Lausitzer Straße 8 sollte heute die Wohnung einer Familie durch einen Gerichtsvollzieher geräumt werden. Der Hauseigentümer kann von zukünftigen Mietern der Wohnung mehr Geld verlangen und so seinen Profit steigern. Das Schicksal der jetzigen Bewohner interessiert – wie immer – nicht.

Glücklicherweise wurde eine Solidaritäts-Aktion veranstaltet, zu der fast hundert Menschen kamen, um die Gerichtsvollzieherin zu vertreiben. Dies gelang in vorbildlicher Art und Weise und könnte für kommende Zwangsräumungen zum Beispiel werden. Hier ein kurzes Video der Aktion:

Und die Pressemitteilung der Aktivist_innen:
http://de.indymedia.org/2012/10/336583.shtml